Als wohl kleinste Elektrobasis für einen Camper-Ausbau glänzt der Ari 458 Pro auf der mehrtägigen voyage-Testfahrt
Gemütlich geht es über die Dörfer, unter alten Alleen entlang und über gewundene schmale Landstraßen. Mehrere Tage erkundet die voyage-Redaktion nicht nur das Hinterland der mecklenburgischen Ostseeküste, sondern auch die Optionen, die der als Kleintransporter entwickelte Elektrowagen als Basis für einen Camper bietet.
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Mehr InformationenAri Motors bietet den 458 Pro auf Basis des Yuantong TC101 mit verschiedenen Kofferaufbauten als Elektro-Kleintransporter vorwiegend für Unternehmen an. Im innerstädtischen Bereich, auf dem Firmengelände und auf der Kurzstrecke spielt der Kleintransporter seine Stärken aus. Er ist flink, enorm kompakt, wendig und bietet im Verhältnis dazu beeindruckende Zuladungsreserven. Ohne Batterie wiegt der Elektrozwerg gerade einmal 595 Kilogramm. Mit Batterie bleiben für die Zuladung laut Hersteller noch bis zu 850 Kilogramm übrig. Diese Eigenschaften könnten auch für Camper von Nutzen sein, die ein kompaktes Fahrzeug mit Elektroantrieb für kurze Strecken als Basis für einen individuellen Ausbau suchen.

Die Fahrzeugabmessungen betragen 3.820 x 1.490 x 1.925 Millimeter, damit passt der Ari 458 Pro in jede Parklücke und fährt genauso entspannt in die Tiefgarage. Während ARI Motors für den Camper-Selbstausbau ein Modell mit Alkoven und einem etwas größeren Koffer bewirbt, verfügt der Testwagen über den kleinstmöglichen (und billigsten) Aufbau. Er hat ein Innenmaß von etwa 2.000 x 1.200 x 1.150 Millimeter und bietet ausreichend Platz für einen einfachen Innenausbau für bis zu zwei Personen. Der Testwagen verfügt über eine große zweigeteilte Heckklappe und eine Seitentür auf der Beifahrerseite – beide lassen sich allerdings nur von außen öffnen und schließen. Wer möchte, kann die Ausschnitte im Koffer aber auch individuell planen und Aufbaufenster / Türen von Campingausstattern verbauen (lassen). Die Sandwich-Konstruktion des Koffers besteht aus PU-Schaum mit einer Stahlblechverkleidung, sie ist an den Türen nicht frei von Kältebrücken.

Im Cockpit verknüpfen sich Vergangenheit und Zukunft – die Optik wird von ungedämmtem Stahlblech und Plastik bestimmt. Einfachste Bedienelemente wie eine mechanische Handbremse treffen auf ein farbenfrohes Multifunktions-Display hinter dem Lenkrad. Der Wechsel zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang erfolgt über einen einfachen Drehkopf in der Mittelkonsole, worüber auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 51 km/h eingestellt werden kann. Im Stadtverkehr ist die Funktion sehr praktisch, außerdem wird so der Akku geschont. Dazu kommen nur noch die Bedienelemente für die Lüftung, die Schalter für die elektrischen Fensterheber und zwei USB-Steckdosen.

Am Heck befindet sich eine Rückfahrkamera und unerwartet auch eine Anhängerkupplung mit einer zulässigen Anhängelast von 750 Kilogramm, die jedoch nur optional angeboten wird. An der Stelle fällt auch der recht kurze Überhang des Koffers auf. Wer erwägt einen größeren Koffer zu nutzen, hat hier noch Spielraum: Ari bietet eine Kofferlänge von 2,5 Metern an, theoretisch wären aber auch 60 Prozent des Radstandes möglich, das wären weitere neun Zentimeter mehr. Bei Höhe und Breite sind dagegen keine großen Sprünge mehr möglich, ohne die Fahreigenschaften und den Verbrauch zu verschlechtern.
Schön: Über eine zweite Steckdose auf der Beifahrerseite kann dem Akku auch Strom entnommen werden: Die 900 Watt starke Vehicle-to-Load-Funktion ist bequem und ließe sich bei Bedarf gegen Aufpreis auch stärker ausführen.
Der Verbrauch auf der voyage-Testfahrt liegt bei etwa 10,5 kWh in der Stadt sowie bei 17 kWh auf der Landstraße. Geladen wird mit maximal 3,3 kW, was einer Ladedauer von 4 bis 6 Stunden entspricht. Reichweite und Ladestopps müssen daher genau geplant werden. Da die meisten Camping- und Stellplätze mittlerweile aber über einen Stromanschluss verfügen, kann der Ari dort unkompliziert über Nacht geladen werden. Wer sich mehr Autarkie wünscht, dem bietet das Dach des Koffers reichlich Platz für mindestens zwei große Solarmodule.

Der Ari 458-Pro-Koffer, aber auch der etwas größere Ari 458-Pro-Alkoven bedient eine Nische. Wer einen kompakten E-Camper für die Kurzstrecke sucht, der im Vergleich zu großen Fahrzeugen wie Caddy, Berlingo und Co. aber noch mehr Raum für einen individuellen Camper-Innenausbau bietet, für den ist der Elektro-Kleintransporter von Ari Motors sicher eine interessante Option. Wer auf Sonderausstattung wie Klimaanlage oder die große Batterie verzichten kann, der startet aktuell für weniger als 20.000 Euro. Das ist zwar kein Schnäppchen, es sind aber immer noch etwa 10.000 Euro weniger, als die Konkurrenz für ähnlich große Elektro-Kleintransporter aufruft.